Soju und Makgeolli sind die beiden bekanntesten alkoholischen Getränke Koreas: Soju ist ein klarer, gebrannter Alkohol, Makgeolli ein trüber, leicht prickelnder Reiswein. Für beide gibt es in Korea Regeln, wie man einschenkt und trinkt. Hier erfährst du, woher sie kommen, wie stark sie sind und was du beim Trinken beachten solltest.
Was ist Soju?
소주 (Soju) heißt wörtlich „gebrannter Alkohol“. Das erste Schriftzeichen steht für das Brennen, gemeint ist die Hitze beim Destillieren. Es gibt zwei Arten, die das koreanische Spirituosengesetz getrennt führt: destillierten Soju (증류식) und verdünnten Soju (희석식).
Fast jeder Soju, den man in Korea kaufen kann, ist verdünnter Soju. Dafür wird hochprozentiger Ethanol mit Wasser und Süßungsmitteln verdünnt. Den Ethanol gewinnen die Hersteller je nach Quelle aus Süßkartoffeln, Tapioka oder Melasse. Destillierter Soju wird dagegen wie ein Brand aus vergorenem Getreide gebrannt. Der bekannteste ist der Andong-Soju mit 45 Prozent, aus Reis und einem Gärstarter aus Weizen, dem 누룩 (Nuruk).
Woher kommt Soju?
Das Destillieren kam im 13. Jahrhundert mit den Mongolen nach Korea, die es selbst aus Persien übernommen hatten. Laut dem koreanischen Nationalarchiv entwickelte sich die Herstellung deshalb besonders dort, wo mongolische Truppen stationiert waren: in Andong, in Gaeseong und auf der Insel Jeju.
Dass der heutige Soju meist nicht mehr aus Reis gemacht wird, hat mit Reisknappheit zu tun. 1965 verbot die Regierung, Alkohol aus Reis herzustellen. Die Brennereien wichen auf andere Rohstoffe aus. Wann Getreide-Soju wieder erlaubt war, geben die Quellen unterschiedlich an, irgendwann in den 1990er-Jahren. Viele Marken sind beim verdünnten Soju geblieben.
Wie stark ist Soju?
Soju ist über die Jahrzehnte immer schwächer geworden. Bis 1965 hatte er rund 35 Prozent, danach 30, ab 1973 25 und ab 1998 23 Prozent. Heute liegen die großen Marken meist um 16 Prozent: Der Chamisul Fresh von HiteJinro etwa wurde im Februar 2024 von 16,5 auf 16 Prozent gesenkt.
Fruchtiger Soju mit noch weniger Alkohol kam 2015 groß heraus. Lotte brachte im März 2015 einen Soju mit Zitrusgeschmack und 14 Prozent auf den Markt und verkaufte laut Korea Times im ersten Monat über 1,5 Millionen Flaschen. Seitdem gibt es Soju mit vielen Fruchtaromen.
Die Marke Jinro ist laut dem Branchenmagazin Drinks International seit 2001 in jedem Jahr die meistverkaufte Spirituose der Welt, inzwischen 25 Jahre in Folge.
Was ist Somaek?
소맥 (Somaek) ist eine Mischung aus Soju und Bier, der Name setzt sich aus Soju und 맥주 (Maekju, Bier) zusammen. Typisch sind laut Korea JoongAng Daily rund 10 Prozent Alkohol. Wer Soju und Bier zuerst gemischt hat, weiß niemand.
Was ist Makgeolli?
막걸리 (Makgeolli) ist ein trüber Reiswein. Der Name setzt sich aus 막 (Mak), hier „gerade eben“ oder „grob“, und 거르다 (georeuda), „seihen, filtern“, zusammen. Das koreanische Standardwörterbuch beschreibt ihn als Alkohol, bei dem die klare Flüssigkeit nicht abgeschöpft, sondern alles zusammen durchgeseiht wird. Deshalb ist er trüb, milchig weiß und leicht prickelnd.
Gebraut wird Makgeolli aus Reis, Wasser und Nuruk, demselben Gärstarter wie beim Andong-Soju. Die Enzyme im Nuruk machen aus der Reisstärke Zucker, die Hefe daraus Alkohol. Die Hauptgärung dauert etwa eine Woche. Beim Alkoholgehalt nennen die Quellen unterschiedliche Spannen, der Michelin Guide zum Beispiel 6 bis 8 Prozent, manche Sorten liegen deutlich höher.
Auch Makgeolli wurde ab 1965 nicht mehr aus Reis gebraut, sondern aus Weizenmehl. Reis-Makgeolli gibt es laut dem Nationalarchiv erst seit Anfang der 1990er wieder. 2021 hat Südkorea das Brauen von Makgeolli zum nationalen immateriellen Kulturerbe erklärt.
Wie trinkt man Makgeolli?
Makgeolli wird gekühlt getrunken, traditionell aus kleinen Schalen statt aus Gläsern. Weil sich der Bodensatz absetzt, wird er vorher mit der Kelle umgerührt oder die geschlossene Flasche ein paarmal sanft auf den Kopf gedreht.
In Korea ist Makgeolli oft unpasteurisiert und gärt in der Flasche weiter. Solcher 생막걸리 (Saeng-Makgeolli) hält sich nur kurz, der Michelin Guide nennt etwa zehn Tage bei 10 °C. Pasteurisierter Makgeolli hält sechs Monate bis ein Jahr, deshalb ist Exportware meist pasteurisiert.
Ein beliebter Brauch: An Regentagen isst man in Korea gern 전 (Jeon), herzhafte Pfannkuchen wie Pajeon mit Frühlingszwiebeln, und trinkt Makgeolli dazu. Eine verbreitete Erklärung lautet, das Prasseln des Regens klinge wie Pfannkuchen in heißem Öl. Ob das stimmt, lässt sich nicht belegen, aber es ist eine schöne Begründung.
Wie schenkt man in Korea richtig ein?
In Korea schenkt man sich nicht selbst ein, sondern den anderen am Tisch, und füllt leere Gläser nach. Sich selbst einzuschenken gilt in Restaurants und Bars als Fauxpas. Ein paar weitere Regeln nennt das offizielle Portal Korea.net:
- Man nimmt das Glas mit beiden Händen entgegen.
- Beim Einschenken hält man die Flasche in der rechten Hand und stützt mit der linken den rechten Arm.
- Schenkt eine ältere Person einem Jüngeren ein, trinkt dieser mit leicht zur Seite gedrehtem Kopf und verdeckt das Glas mit der Hand.
Getrunken wird in Korea gern in der Kneipe. Warum eine koreanische Bierkneipe „Hof“ heißt, erzählen wir in Deutsche Wörter in Korea: So kam das „Hofbräuhaus“ nach Seoul.
Ab wann darf man Soju und Makgeolli kaufen?
In Deutschland regelt das § 9 des Jugendschutzgesetzes. Bier, Wein und weinähnliche Getränke sind ab 16 erlaubt, alle anderen alkoholischen Getränke erst ab 18. Ausschlaggebend ist laut dem Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels die Art des Alkohols und nicht der Alkoholgehalt. Soju ist ein destilliertes beziehungsweise aus Ethanol verdünntes Getränk und damit erst ab 18 zu haben, auch wenn er nur 14 bis 16 Prozent hat.
Wenn du beides probieren möchtest: In unserer Sulsul-Box stecken sechs koreanische Getränke, darunter Soju, Makgeolli oder koreanisches Bier. Weil alle Getränke darin alkoholhaltig sind, verkaufen wir die Box erst ab 18 Jahren.
Quellen
- Nationalarchiv Korea (국가기록원): Themenseite Soju und Makgeolli (koreanisch)
- Korean Food Promotion Institute: Beitrag zum Andong-Soju
- Korea JoongAng Daily: Chamisul Fresh mit 16 Prozent (2024), zu Somaek (2025), Makgeolli als Kulturerbe (2021), zum Reisverbot
- Korea Times: Milder soju selling hot (2015)
- Korea Herald: Jinro als meistverkaufte Spirituose (2026)
- Michelin Guide Korea: Beitrag zu Makgeolli
- Korea.net: Alcohol in Korean Life
- Standardwörterbuch des Koreanischen (표준국어대사전): 막걸리
- Jugendschutzgesetz: § 9 Alkoholische Getränke
- Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels: Ratgeber Jugendschutzgesetz (2018)
- Wikipedia: Soju, Makgeolli, Etiquette in South Korea















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